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Goldgräberstimmung

Von biF


Ich kannte mal einen, der hatte eine zeitlang als Pfleger in einem Irrenhaus – jaja, schon gut - in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet, und zwar bei den ganz schweren Jungs. Das Problem im Umgang mit den Irren, also den psychisch Schwerkranken, ist, daß es sich bei ihnen zwar um geistig desorientierte, ansonsten aber kerngesunde Menschen handelt, deren Urtriebe sich um so stärker durchsetzen, je weniger Geist ihnen gegensteuert. Also muß man ständig für Ablenkung vom Triebleben, sprich Ausarbeitung sorgen. (Der allerdings auch geistig gesunde Adriano Celentano tat das mit Holzhacken.*) Im Irrenh..., also in der Klinik, gab es zu diesem Zweck einen eingezäunten Spielplatz mit folgenden Spielregeln.

Die Irren wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Während die eine Gruppe ein riesiges Loch grub und die Erde auf einen riesigen, schwer zu bewegenden Karren schaufelte, verfüllte die andere ein riesiges Loch, das andere zuvor schon ausgehoben hatten. Dann wuchteten alle den Karren zu dem neuen Loch, und das Ganze begann von vorn. Das Tolle an der Sache: Keiner merkte etwas von dem Unsinn der Schaufelei.


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Dieses Bild habe ich immer öfter vor Augen, wenn ich zufällig – absichtlich würde ich das ja niemals tun! – Debatten über den Bundesfinanzhaushalt mitbekomme. Nehmen wir nur einmal die Fördergelder – damals – für die Ich-AGs. Die gab es tatsächlich, bis es einem von denen, die nie zu Ende denken, leider aber das Sagen haben, einfiel, daß das Geld dafür nicht lange reichen würde. Also mußten die unabhängigen Gerichte dafür sorgen, daß die Gelder von den ARGEs umgehend wieder mit der Hilfe zum Lebensunterhalt verrechnet werden konnten, und zwar rückwirkend. Das Resultat: Tausende ehemals gutgläubige, nun (relativ) hoch verschuldete Kleinstunternehmer, die ihre Unternehmen wieder dichtmachten und ihre Existenzgründerzuschüsse noch jahrelang vom Hartz IV zurückstottern müssen.

Oder, ein Beispiel aus der upper class, das sogenannte Milliardenpaket für die Banken: Man zahlt den Banken zig Milliarden, die angeblich zur Stabilisierung des Finanzsektors gebraucht würden, bis – ja, bis wieder einem von denen, die nie so recht wissen, was sie tun, einfällt, daß das Geld an anderer Stelle knapp werden könnte. Also verknackt man die Banken jetzt zur Einzahlung von Milliardenbeträgen in einen sogenannten Krisenfond. Und was wird dabei herauskommen? Hochverschuldete Kreditnehmer, die ein paar Jahre mehr an der Zinstilgung für ihre gutgläubig kreditierten Mobilien und Immobilien zu knabbern haben werden.

Und so werden Tag für Tag und Jahr für Jahr und überall im Länderbunde Gelder hin und hergeschoben und verschoben: Brutto hier, Netto da und umgekehrt; Fördergeld hin, Fördergeld her; Subventionen hü, Subventionen hot – man mag sich das gar nicht zu Ende denken ...

(28.03.2010.)

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* Für die jüngeren Leute: In der italienischen Filmkomödie „Il Bisbetico domato“ („Der gezähmte Widerspenstige“, Regie: Franco Castellano und Guiseppe Moccia) wird der widerspenstige Bauer Elia (Adriano Celentano) von der resoluten Lisa (Ornella Muti) in den Hafen der Ehe verschleppt. Doch bis es so weit ist, versucht der „Weiberhasser“ alles ihm Mögliche, um das Unglück abzuwenden, unter anderem mit dem Hacken riesiger Berge Holz.


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