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Ein schwarzer Tag

Durchlitten von biF


Die Deutschen brauchen keine Kultur, die Deutschen brauchen Krawall.
Die Deutschen brachen auch keine Geschichte, ihnen genügen Gerüchte.

Die Post bringt ein neues Machbuba-Buch (Grin 2010), das gefühlte hunderttausendste. Es enthält das übliche Larifari, weil es zu der ganzen Geschichte nun einmal nicht viel zu sagen gibt. Der Autor hat meine Pückler- und Schefer-Webseiten nach Geisteskräften ausgeweidet und zitiert mich auch einige Male, nicht ohne gelegentlich verhaltene Zweifel durchblicken zu lassen. Zum Anlaß dafür nimmt er Details, die er weder recherchiert hat noch jemals recherchieren wird. Im Literaturverzeichnis finde ich mich gleich fünf Mal wieder, leider in – pücklermäßig – schlechter Gesellschaft: Kleßmann, Ohff und zu guter Letzt gar noch die Wikipedia. (Was mich, aber nur ein bißchen, tröstet: Arnim und Boelcke sind auch dabei.) Und so ist es denn auch kein Wunder, daß die Diät-Biographie des Fürsten Pückler, die den schwachen Aufguß peppen muß, voll der üblichen Phantasien ist: Goethe enthusiasmiert Pückler 1810 zur Gartenkunst, Varnhagen initiiert die Herausgabe der „Briefe eines Verstorbenen“ und so weiter. (Siehe dazu auch „Fürst Pückler und die Frauen“, Oberlausitzer Verlag 2010.)


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Per Email fliegt mir eine Einladung zu: „EIN FÜRST – EIN UNGENAUES REZEPT – DREI LOKALMATADOREN. Pückler-Eis-Wettkochen“, pardon: „Wettbewerb und Ausstellung...“ in der Orangerie Bad Muskau. Darin werden meine – nun ja – Forschungsergebnisse zum Pücklereis dezent relativiert: „Unermüdliche Forscher, wie der Lausitzer Kulturhistoriker Bernd-Ingo Friedrich [wer noch?], haben sich an die Fleißarbeit [!] gemacht und immerhin [!] ein ältestes [?] Rezept aus dem Rezeptbuch des preußischen [?] Mundkoches [Friedrich Wilhelms III.] von 1839 hervorgezaubert [aha!]. Ob es ‚DAS Originalrezept’ ist, wissen wir nicht [!]. Was wir aber sehr wohl wissen [!], ist, daß es dem heutigen nur in einer [?] Sache ähnelt: Seiner Dreischichtung [Schlagsahne? Zucker?]. Von Schoko, Erdbeer und Vanille findet sich da keine Spur [Erdbeeren?]. Und wie zu dieser Zeit in den Rezeptbüchern üblich [?], ist es ungenau und für Interpretationen offen [Quatsch].“ Gekocht (oder gekühlt) wird trotzdem „nach dem (bisherigen) Originalrezept“! Der Sinn des Ganzen (ein Schelm, wer dabei an etwas anderes denkt) besteht natürlich darin, die dummerweise zugefallene Tür für Spekulationen respektive Geldflüsse wieder zu öffnen. Konditormeister Schulze-K. läßt grüßen. (Siehe dazu „Das Fürst-Pückler-Eis“.)

Der Abend beschert mir ein Telefonat mit einem Hinweis auf einen ... Artikel in einer Fach(!)zeitschrift. Darin werden wieder einmal gewagte Schlüsse auf der Grundlage bloßer Vermutungen gezogen, doch damit nicht genug. Zu den Prämissen gehört auch: „genau diese Farben [Schwarz, Rot sowie Gold] und deren Reihenfolge wählte man in Deutschland [!] im Jahre 1848 für die Farben der Flagge“. Dazu ist – in groben Zügen – zu sagen: Um Schlimmerem zuvorzukommen, einigten sich die Fürsten des Deutschen Bundes, das heißt: die erklärten Feinde aller demokratischen Bestrebungen, im März 1848 tatsächlich auf eine solche Fahne, doch in der Folge sorgten sie konsequent dafür, daß der „demokratische Spuk“ nur kurz währte. Das deutsche Parlament („Dreimal 100 Advokaten – Vaterland, du bist verraten; dreimal 100 Professoren – Vaterland, du bist verloren!“) palaverte von Mai 1848 bis in den Juni 1849 hinein und verabschiedete dann zwar sich, aber keine Verfassung, die irgend etwas festgeschrieben hätte. 1850 holte man die schwarz-rot-goldenen Fahnen wieder ein; 1852 wurde die Verwendung der Bundesfarben ausdrücklich verboten, die Kaiserfarben kehrten zurück, und damit war das schwarz-rot-goldene deutsche Glück erst einmal vorbei ...

Wozu sitzt man eigentlich in Archiven herum
und sich am Computer den Buckel krumm?!

(23.05.2010.)


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