Nepotistenwerk
Die Waldschlößchenbrücke
Von biF
Karl Marx schreibt, daß Kapital für 300 Prozent Profit über Leichen geht. In der Politik liegt die Hemmschwelle deutlich niedriger und obendrein machen sich die Leute da täglich zum Affen. So erhielt ich dieser Tage als Antwort auf eine Email, in der ich mir etwas Luft über die Aberkennung des Weltkulturerbe-Titels von Dresden gemacht hatte, eine 08/15-Email aus der sächsischen Staatskanzlei. Darin stand:
Sehr geehrter Herr Friedrich,
vielen Dank für Ihre Nachricht an die Landeshauptstadt Dresden. Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, haben sich in den vergangenen Tagen viele hunderte Menschen bei uns gemeldet und uns ihre Meinung zur Aberkennung des Welterbetitels mitgeteilt. Die Positionen gehen dabei genauso weit auseinander wie über den ganzen Zeitraum der Diskussion um die Waldschlößchenbrücke und den Welterbetitel der UNESCO. Angesichts der vielen Briefe und E-Mails bitten wir Sie um Verständnis, dass wir nicht zu jeder einzelnen Frage oder jeder einzelnen Meinung Stellung nehmen können.

„Entscheidend ist, dass wir jetzt den Blick nicht auf die Grabenkämpfe der vergangenen Jahre richten, sondern nach vorne schauen“, sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz nach Ihrer Rückkehr von der UNESCO-Tagung in Sevilla. Das Komitee hat diesen möglichen Weg schon vorgezeichnet und Dresden ausdrücklich per Beschluss die Option eingeräumt sich erneut mit einem Antrag um den Welterbetitel zu bemühen. Die Oberbürgermeisterin kündigte dazu Gespräche mit dem Stadtrat und der Bürgerschaft nach der Sommerpause an. Dresden hat nichts von seinem Reiz verloren und ist 20 Jahre nach dem Fall der innerdeutschen Grenzen eine Kunst- und Kulturstadt von europäischem Rang. Auch nach dem Verlust des Welterbetitels werden die Dresdnerinnen und Dresdner ihr kulturelles Erbe bewahren und schützen, so wie sie es die vergangen Jahrhunderte getan haben.
Mit freundlichen Grüßen – der Büroleiter
Keine Wort davon, daß die Dresdener Honoratioren nun ohne jede Notwendigkeit eine einzigartige Landschaft zerstören. Ich dachte kurz daran, noch einen Brief zu schreiben, aber ich hab’s sein lassen. Wahrscheinlich fällt er da in Dresden auch bloß einem auf „brücke“ programmierten Referatsgehilfen in die Hände, der einen Riesenreißwolf damit füttert – Konfetti für Silvester. – Warum sind unsere Politiker eigentlich so entsetzlich dumm?!
(29.06.2009.)
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