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Meiner Freundin Milena

Schreiben ist der einzige Beruf, in dem man, ohne lächerlich zu wirken, kein Geld verdienen kann.
(Jules Renard.)

Diese Erkenntnis zieht sich als roter Faden durch viele Schriftstellerbiographien. Ich selber habe – learning bei doing – für mein erstes Büchel (16 Seiten Leopold Schefer Schwarz-Weiß) indirekt 2000 Euro gesponsert (ich meine das Geld Anderer, das ich mühsam wieder zurückstottern mußte) und obendrein 800 von 1500 Exemplaren in den „Eigenvertrieb“ nehmen müssen; zwei weitere Manuskripte für 100 bzw. 50 Freiexemplare abgegeben; zweimal für eine eher symbolische Aufwandsentschädigung gearbeitet, und für die Bücher, für die ich die üblichen, weiß Gott mickrigen Honorare aushandeln konnte, noch keinen Pfennig (oder Cent) gesehen – das heißt, eins davon ist noch nicht einmal fertig, weil der Verleger meint, er müßte zwischendurch immer erst alle erreichbaren Fördertöpfe für andere Projekte ausräumen, um es finanzieren zu können. Nur einmal, für 38 Seiten Pücklereis, konnte ich ein gutes Honorar einfahren, aber dafür hat mich der Herausgeber auch gleich wieder um die Hälfte meiner Tantiemen betrogen, indem er mir, das heißt, dem Pücklereis, die ISBN verweigerte.


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Bei Jaroslav Hašek, dem Tschechen, der den braven Soldaten Schwejk erfand, habe ich jetzt eine Anregung gefunden, wie das Geldverdienen mit Büchern – allerdings über einen Umweg – vielleicht doch noch klappen könnte. Ich zitiere:

„Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir, die geschätzten Leser darauf aufmerksam zu machen, daß ich für einen gewissen Betrag das Buch mit meiner eigenhändigen Unterschrift und einer Widmung versehe, und zwar nach folgender Taxe:
‚Meinem lieben Freunde gewidmet’ kostet mit eigenhändiger Unterschrift 50 Kronen.
‚Meinem teuren Freunde gewidmet’ kostet mit eigenhändiger Unterschrift 100 Kronen.
‚Zur Erinnerung an treue Freundschaft’ kostet mit eigenhändiger Unterschrift 200 Kronen.
‚Meinem liebsten Freunde zur Erinnerung an treueste Freundschaft’ kostet mit eigenhändiger Unterschrift, mit Tusche geschrieben, die auch nach Jahren nicht verblaßt, nur 500 Kronen.
Mit vorzüglicher Hochachtung ...“ und so weiter.

Die Sache müßte eigentlich funktionieren. Gestern signierte ich drei netten reiferen Damen, darunter einer hübschen kleinen Brünetten, mein „Hirnsalz aus der Pücklerei“ und gab währenddessen Hašeks witzigen Einfall – so ungefähr – zum Besten. Die hübsche kleine Brünette gab sich daraufhin als eine Tschechin, aus Mähren, zu erkennen und bat mich, etwas in der Art in ihr Büchel zu schreiben. Ich schrieb: „Meiner Freundin Milena – 100 Kcs“ und sie war damit richtig glücklich. Als ich ihr dann auch noch ein Kompliment für ihren niedlichen Dialekt machte, war sie so gerührt – ich übrigens auch –, daß sie, beim Verabschieden noch einmal mit dem „Hirnsalz“ winkend, beinahe über die Türschwelle gefallen wäre. – Aber ich seh’ schon: Am Ende kommen lauter solche charmanten kleinen Tschechinnen, oder Mährinnen, und dann ist es wieder nichts mit dem Verdienen ...

(18.07.2010. Nach einer Lesung mit Petra Just im Schau-Handwerkshof Burg/ Spreewald am 17. Juli 2010.)


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