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Katzenklappe II

Wie Kümmelchen seinen Katzen eine Klappe einbaute

Vom Autor der Katzenklappe


Mein figulanter Freund Kümmelchen hatte „Die Katzenklappe“ gelesen und „Glasse“ gefunden; dann hatte er unsere Katzenklappen gesehen und sich gesagt: „Mach’sch ooch!“ (Kümmelchen ist ein echter Sachse.) In meiner Geschichte fehlen allerdings zwei Details: Daß ich einen Bohrer, der ins Schleudern geraten war, nahezu rechtwinklig abgeknickt und mir dabei fast den Arm ausgekugelt hatte – denn komischerweise packt man in so einem Fall ganz automatisch fester zu anstatt loszulassen – wollte ich nicht erwähnen, weil das – zusammen mit allem anderen – vielleicht doch ein bißchen zu dämlich, oder gewollt, also übertrieben witzig ausgesehen hätte. Jetzt, für sich genommen, geht das gerade noch. Das zweite Detail aber hätte ich erwähnen sollen, denn sein Fehlen hatte Folgen.

(Kümmelchen ist übrigens – ich finde das bemerkenswert – ein Sachse, der „Türke“ heißt. Herauszufinden, wie er zu seinem Spitznamen „Kümmelchen“ gekommen sein könnte, überlasse ich dem Scharfsinn des Lesers; dem jungen Leser, der ja nun leider kaum noch deutschen Slang kennt, gebe ich noch das Stichwort „Kümmeltürke“.)

Kümmelchen wohnt mit Frau und Maus auf einem riesigen Bauernhof und hält wegen der Mäuse auch ein paar Katzen. Auch bei ihm gab es einen Raum, dessen Tür – wegen der Gemütlichkeit – ständig hätte geschlossen sein sollen, der Katzen wegen aber ständig offen stand. Diesem Übelstand sollte nun ebenfalls eine Katzenklappe abhelfen. Gesagt, getan – ich übergehe ein paar Einzelheiten und komme gleich zur kritischen Stelle. Kümmelchen hatte die Maße der Katzenklappe auf die Wand gepaust und mit der Bohrmaschine nachgezeichnet, so daß die Bohrlöcher eine Perlenkette bildeten, bei der die Perlen dicht an dicht auf der Schnur, der Linie, saßen. Was in der „Katzenklappe“ nicht beschrieben ist: Ich hatte die Stege zwischen den Perlen, oder Löchern, auf Steinmetzart penibel weggestemmt und derart die schönen Durchbrüche zustande gebracht, die Kümmelchen so imponiert hatten. Das war zwar mühselig, hatte mir aber viel Nacharbeit erspart.

Kümmelchen nahm an, man könne die umbohrten Steine einfach wie einen Stöpsel aus der Wand schlagen. Er versuchte es mit einem normalen (?) Hammer, mit einem größeren Hammer – nichts. Dann wurde er wütend – wir kennen das schon aus der „Katzenklappe“ – und griff zum „Bello“. (Einem Vorschlaghammer.) Damit hatte er zwar Erfolg, doch aus der geplanten Luke in der Wand war – plötzlich und unerwartet – eine Öffnung geworden, durch die auch Großkatzen, also Tiger und Löwen, hindurch gepaßt hätten. Nach der Beseitigung der Trümmer sägte er (Kümmelchen ist, wie man heute sagt: „Holzgestalter“) das Loch für die Klappe in eine den Mauerdurchbruch abdeckende stabile Rüstplatte, schraubte diese an die eine Seite der Wand und gestaltete mit Hilfe von ca. 15 Kilo Stuckgips auf der anderen, exponierteren Seite eine schicke „Hundertwasserhöhle“. Am Ende waren aus den veranschlagten drei Arbeitsstunden runde 14 geworden und ein ganzer Tag dahin ...

Ansonsten aber bewährte sich meine Geschichte, insbesondere die Schilderung meines schmerzhaften Unglücks. Als nämlich auch seine Katzen den Durchgang ignorierten, sperrte er die Klappe auf, indem er einen Handfeger durch die Öffnung schob und zum Aufhaken auf die andere Seite ging. Nach drei erfolglosen Tagen schloß er sie wieder und ließ die Katzen sich kümmern. Das ist sowieso das beste, was man tun kann.

(16.08.2010)


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