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Heinzelmännchen

Von biF


die maus in der maeusefalle


Wir hatten eine Maus. Anfangs sah man sie nicht, sondern bloß ihre Spuren in der Küche, rund geknabberte Brotwürfel, die ich eigentlich für eine Brotsuppe geschnitten und zum Trocknen auf einem Schneidebrettchen ausgebreitet hatte, und Mäuseköttel hinter dem Toaster. Eines Tages aber saß sie plötzlich neben dem Toaster und blickte mich an. Mäuse haben hübsche Augen, kluge und wissende; in ihnen bündeln sich die Erfahrungen der seit Generationen und Abergenerationen erbarmungslos verfolgten Kreatur. Ich bekam, stellvertretend für meine Mit(un?)menschen, ein schlechtes Gewissen und begann, über die einseitige Ernährung unserer Maus nachzudenken – Resultat: Ich schnitt vom Apfel, den ich mir soeben entkernt hatte, einen kleinen sogenannten Apfelschnitz und legte ihn zu den Brotwürfeln, die sich die Maus hinter dem Toaster bereits reserviert hatte. So ging das eine zeitlang. Ich spendierte ihr hin und wieder Krümel und regelmäßig frisches Obst, oder Gemüse, was halt gerade anfiel; sie gewöhnte sich an mich und ich mich an sie, und sie wurde mein Heinzelmännchen, nur daß sie nicht arbeitete. Wir sahen die Maus kaum, aber sie schiß leider wo sie ging und stand, und ihre Köttelei mißfiel uns zunehmend. Also kauften wir eine Mausefalle. Natürlich nicht einen dieser sadistischen Totschläger, sondern eine Miniaturausgabe jener Modelle, wie man sie zum Einfangen von Löwen und anderen, sympathischeren Lebewesen verwendet. Eines Tages saß die Maus darin, sah mich sehr klug und sehr wissend aus ihren hübschen kleinen, tiefschwarzen Knopfäuglein an und mich packte die Reue. Ich entließ die Maus, in die Küche. Von da an aber blieb sie weg, verschwunden. Wie die richtigen Heinzelmännchen ...

(09.08.2010)

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