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oder: Was mir mit ebay passiert ist
Von biF
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Ich gehe auf Schefer-Tour wie immer, sehe zuerst im ZVAB nach und entdecke Homer’s Apotheose. Das Buch ist so teuer, daß ich mir für’s erste keine Sorgen wegen der Konkurrenz machen muß. Selber kaufen kann ich es im Moment allerdings auch nicht. Also klicke ich weiter zu ebay. Da gibt es Die Gräfin Ulfeld und obendrein den Hafis in Hellas - aber den habe ich Gott sei Dank schon. Es ist wie immer: Monatelang taucht gar nichts auf, und dann kommt’s wieder knüppeldick, und wieder in den Weihnachtstagen. So war es im vergangenen Jahr, als ich Hirtenknabe Nikolas „geschenkt“ bekam, und so war es vor zwei Jahren, als ich für die Gedichte von 1811 alle meine Freunde anpumpen musste. Auf die Ulfeld bietet schon jemand: moebus_de. Kenn’ ich nicht. Ich sehe nach, was der bisher gekauft hat. Das macht sich immer gut, wenn man wissen will, welche Chancen man hat; ob es überhaupt Zweck hat, sich aufzuregen und mitzubieten. Letztens hat mir einer Charlotte Stieglitz weggeschnappt, da war mir schon vorher klar, daß es so kommen würde, denn der Kerl hatte in der einsehbaren zurückliegenden Zeit Monat für Monat mehrere hundert Euro für Bücher ausgegeben – ein ekelhafter Mensch, dem es offenbar egal ist, was seine Bücher kosten und der nur Bücher in Ledereinbänden kauft, mit jeder Menge Gold drauf - bestimmt so ein schnöseliger Anwalt, der damit sein häßliches Kunststoffbüro tapeziert .... Also moebus_de. Es fängt mit Fouqué an, dann kommen Tieck und Schlegel, dann kommt eine Double-Zip-Off-Hose (!?) und als viertes kommen – Daumers Schriften aus der Mansarde, ersteigert für ganze 6,38 Euro!!! Ich denk’, mich rührt der Schlag!! Und wieder einmal zeigt es sich: Die Welt ist ungerecht! Sechs Euro, achtunddreißig Cent!! Hat der Kerl ein Schwein!!! Ich bin gespannt, wie das weitergeht. Ein Eiscracker, Reklameschilder, Hosen, sehr hübsche, enge Tops und Pullys, winzige Miniröcke und immer wieder Handtaschen. Der Kerl ist eine Sie. Das ist doch wirklich verrückt: Hier in meiner Provinz lesen sie den Wochenkurier, das Heimatbuch, vielleicht noch Harry Potter, wenn’s hoch kommt Die Päpstin oder so was in der Richtung; ein paar kenne ich, die kaufen sich Antiquitätenkataloge, und da draußen läuft ein wunderschönes Mädchen in aufregenden Miniröcken mit den allerliebsten Handtäschchen herum, in denen Bücher von Georg Friedrich Daumer stecken. Warum ist die Welt SO ungerecht!? Ob die den Daumer wirklich liest? Und was will sie mit dem Schefer? Vielleicht hat sie was mit dem Tierschutz zu tun und hat sich den Daumer deshalb gekauft? Aber warum dann Die Gräfin Ulfeld? Also doch Tierschutz; da war doch noch so ein anderes Buch, das mit dem erschlagenen Pudel! Vielleicht hat sie gar nicht richtig gewusst, was sie ersteigert und ist jetzt enttäuscht von dem Daumer? Ich werd’ ihr einfach eine e-mail schicken. „Hallo, guten Tag, ich bin der und der, Schefer-Forscher und so, schauen sie doch mal im Internet unter dem und dem nach, und so weiter und so weiter ... und falls Sie enttäuscht sind von dem Daumer und ihn wieder loswerden möchten - muß ja nicht für den gleichen Preis sein - und so weiter und so weiter ... mit freundlichen Grüßen“ – icke. Wenn man bloß mehr wüsste. Bestimmt ist sie nett. Wer Größe 38 hat und sich so hübsche Sachen kauft, der kann bloß nett sein; nett und tierlieb. Womöglich sogar blond? Nadine fällt mir ein. Bestimmt ist sie eine hübsche kleine Blondine mit blauen Augen, die ganz nett ist, und sehr tierlieb. Eigentlich kann gar nichts schief gehen. Ich werd’ ihr schreiben, und weil sie nett ist, wird sie mir antworten und erst einmal wissen wollen, was ich denn sonst noch so für einer bin, außer Schefer-Forscher mein ich, und dann würde ich ihr noch so dies und jenes schreiben; mein Alter natürlich nicht, denn das sieht, aufgeschrieben, als Zahl, mittlerweile doch sehr erschreckend aus. Ich könnte ihr auch vorschlagen, daß wir eventuell Bücher tauschen, und daß sie sich meine Bücher gern ansehen kann. Ich denke, da könnte sie nichts dagegen haben, und so käme dann jener Tag heran .... Sie säße, aufgeregt, im Auto, auf dem Weg hierher, und ich säße hier, natürlich auch aufgeregt, ach ja, ich kann ihn schon richtig riechen, den Duft von langen, seidigen, blonden Haaren .... Ach Gott – nun ja – so ein paar hübsche Gedanken wird man sich doch wohl mal machen dürfen. Schadet doch niemand. Aber ich glaube, daß ich der Blondine lieber doch nicht schreibe, weil die sonst vielleicht tatsächlich noch denkt, ich will sie anmachen, mit dem Daumer. Dabei wär’s gar nicht so .... Oder schreib’ ich doch?
Ich schrieb und erhielt die Antwort:
Lieber Herr Friedrich,
unter moebus_de verbirgt sich eine multiple Persönlichkeit im Alter von 50 bis 55 Jahren mit vielseitigen Interessen und Bedürfnissen. Genauer sind dies zwei Frauen (Maria und Olga) und ein Mann, die Frauen eher in der Abteilung Mode und Hauhalt, der Mann vorrangig auf der Jagd nach Büchern und Gebrauchsgegenständen. Vor diesem Hintergrund brauchen Sie nicht zu befürchten, daß der Gedanke bei uns aufkommt, angemacht zu werden.
Viele Grüße Hans-Peter M.
Den Daumer hab’ ich nicht gekriegt.
(30.12.2006. Veröffentlicht mit Zustimmung von moebus_de.)
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