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Vom Reisen

Dr. Pendlers Erfolgsrezept

Von biF


Das Reisen ist zwar nur eine der vielen Möglichkeiten, seine Zeit totzuschlagen, doch es ist unbestritten die mit dem größten Renommee. (biF 2005)


ak croydon england

Halle? Leipzig? Eisenhüttenstadt? - Nein. Croydon/ GB!


Die Reiseschriftstellerei boomt. Mein Freund Dr. Pendler macht auch so was. Seine schwerste und allerdings wichtigste Arbeit ist getan, sowie er eine seiner schwielenfreien Hände in einen der öffentlichen oder privaten Geldtöpfe gekriegt hat. Danach kommt schon der gemütliche Teil. Er fährt irgendwohin: Wo etwas Interessantes ist, wo es Kneipen und Mädels gibt, oder wo er Kumpels hat, und wo er noch Leute beschwatzen kann, ihm einen auszugeben. Dort schreibt er dann irgend was auf. Eine Manuskriptseite zu fünfzehnhundert Zeichen reicht völlig aus, denn schließlich muß er seine Beobachtungen auch ordentlich reflektieren. Wozu setzt man sich sonst in eine Kneipe? Allerdings verpufft das Ganze in dem Moment, wo Dr. Pendler seine Manuskripte abliefert. Ergiebiger ist da das Vorträgehalten.

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Die Zahl der Luftikusse, die sich per pedes, mit dem Fahrrad, der Eselskutsche, im Bierfaß oder auf einem Nagel reitend rund um die Welt bewegen, muß mittlerweile in die Tausende gehen. Man sieht die Plakate überall: „Mit Sekt und guter Laune - auf den Spuren des Fürsten Pückler im Orient“, „Durch Dunst und Dickicht – von der wüsten Gabi in die Slums von Sahara“, „Pneus und Pannen – mit dem Tandem durch den Marianengraben“, „Blei unter den Füßen – mit dem Plumbumboot zur Neißequelle“ oder „Phönix in der Scheiße – mit Koks durch die Stratosphäre“, Montag 12 Uhr im alten Kulturhaus (Helmpflicht!), Eintritt 44 Euro. Man kennt solche events auch aus dem Fernsehen. Sie sind mit einer alten Schmalfilmkamera gedreht, die der Kameramann in jeder Situation krampfhaft festhält, es koste, was es wolle, weil sie ein Erbstück oder das Geschenk eines alten Brahmanen ist, so daß man sämtliche Abstürze des Kameramanns aus dessen Perspektive mitbekommt. Am besten aber sind die originellen Kommentare: „Egon frühmorgens beim Baden. Nicht weit von ihm ein Krokodil. Krokodile sind gefährlich.“ – Donnerwetter! „Leider sind unsere Akkus leer.“ Schade. Dabei hätte man doch so gern gesehen, wie das Krokodil den Egon frißt. Aber Egon lebt. Er hat sich eine Wassernuß eingtreten. Bei der anschließenden Operation gibt es einen Zwischenfall. Doch leider weiß man nicht, was für einen, denn die Akkus waren eben wieder leer. Egon geht es aber weiterhin gut, denn nach dem Aufladen der Akkus sieht man ihn auf einem zweitausend Kilmeter von dem Krokodil und den Wassernüssen entfernten Basar Souvenirs einkaufen. „Gabi mit einem wunderschönen Kopftuch aus echter Seide, echt gebatikt, mit echt goldenen Fransen. Nach 26 Stunden intensivem Feilschen erwerben wir einen Koffer dieser herrlichen Kostbarkeiten für 0,01 Rupie, das sind ungefähr – also – wirklich wenige Euros. Hier kann man noch echt handeln!“ Während der Verhandlung mußten die Akkus einige Male nachgeladen werden. In einer dieser technisch bedingten Drehpausen hat sich Egon mit der Tochter des Händlers verlobt - ergab sich so. Dafür sitzt Gabi nun heulend in einer Ecke, einen Pavian im Arm, und will plötzlich gar keine Kopftücher mehr. „Die Leute hier sind unglaublich arm.“ Ja, klar – weil sie einen Koffer voller handgebatikter Kopftücher aus echter Seide mitsamt den echtgoldenen Troddeln für eine einzige Millirupie verscherbeln, und die Tochter dazu! „Aber wir haben das Gefühl, sie sind glücklicher als die Europäer mit ihrem vordergründigen Streben nach materiellem Besitz.“ Na – Gott sei Dank!

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Und schon geht’s auf zum nächsten Basar – vielleicht gibt’s ja irgendwo sogar noch eine Sklavin, die Großvaters (oder Brahmas?) Schmalfilmkamera mit der Handkurbel in Gang halten kann. Schließlich will man seinem Sponsor daheim nichts schuldig bleiben, und es wäre ja auch jammerschade um die echt geilen Schnappschüsse, bloß weil die verdammten Akkus von dem fucking Vietnamesen nichts getaugt haben. Aber zur Not kann man ja auch noch was schreiben; ein bißchen weniger reflektiert – 2 ½ Seiten vielleicht?

(07.04.2007)


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