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Wie ich meiner Katze Klappen einbaute

Eine wahre Geschichte

von Bernd-Ingo Friedrich

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Unsere Wohnung ist nicht sehr groß, aber die Zimmer sind hoch und der Korridor hat festsaalähnliche Ausmaße. Damit ist sie zwar ziemlich unpraktisch, aber wir haben sie genommen, weil sie trotz allem einen sehr günstigen Grundriß hat und billig zu haben war. In so einer Wohnung heizt man sich tot, wenn man nicht aufpaßt und ständig alle Türen offen stehen hat. Wenn man eine Katze hat, kann man sie aber auch schlecht zumachen – außer, man läuft ständig hin und her –, denn die muß im Bad auf ihr Klo, zu ihrem Freßnapf in die Küche, zum Kuscheln in die Stube, und überhaupt ist so eine Katze ja ständig beschäftigt mit Herumspionieren.

Also hab’ ich mir gedacht, ich baue ihr Katzenklappen ein. In die Türen ging nicht, weil das so schöne alte Jugendstiltüren sind, die instabil werden, wenn man Löcher hineinsägt, wie sie für die Klappen sein müssen, – wäre wirklich schade gewesen, um die Türen; außerdem wohnen wir ja bloß zur Miete. Und wenn ich die Löcher in die Wände mache, kann ich sie unter Umständen wieder zumauern. Gesagt, getan. Konstruktion entworfen, Material beschafft und so weiter - gleich getan, ist gut getan, sag’ ich immer.

Das Stemmen war eine Hunde- (oder Katzen-) Arbeit. Ich mußte mich durch 40 Zentimeter dicke Wände stemmen, und natürlich erwischt man – wie das so ist bei solchen Sachen – niemals Fugen oder ganze Steine, sondern muß von möglichst vielen Steinen eine Ecke abschlagen. Also habe ich mir eine Bohrmaschine genommen und mit einem langen 10er Bohrer vorgebohrt, um mir das Stemmen zu erleichtern. Und damit es dabei nicht so in der Wohnung herumstaubt, stellte sich Katrin mit dem Staubsauger daneben und saugte den Mulm gleich aus der Luft weg und ab und zu die Krümel vom Boden.

Was wir aber nicht wußten, war, daß Staubsaugerbeutel das nicht vertragen. Wahrscheinlich verdichtet sich das feine Ziegelmehl und läßt irgendwann nichts mehr durch. Jedenfalls gab es plötzlich einen Knall, der Staubsauger jaulte auf, dann wir, und die ganze Bude war in dichten Nebel gehüllt. Pause. Saubermachen. Das Ganze noch einmal, dann ging der Staubsauger kaputt. „Das ist genug für einen Tag“ (Morgenstern). Zwei Tage später machte ich ohne Staubsauger weiter. Schließlich hatte ich auch die letzte Klappe installiert; die zwischen Flur und Küche. So. Und dann passierte das:

Wir sitzen da und freuen uns, aber die Katze streikt. Sie sitzt vor der Klappe, guckt ins Loch und fürchtet sich vor ihrem eigenen Spiegelbild. Wenn sie in die Küche will, fiept sie im Flur herum und schabt an der Tür. Ich bin stocksauer. Wir machen einen Versuch, die Katze von der Küche aus in das Loch hinein zu schieben, sie quasi zu trainieren. Aussichtslos. Die Katze erweist sich als unglaublich elastisch. Sie wird immer kürzer, der Kopf kriecht langsam in den Körper hinein, dann macht es flutsch, und die Katze schnippt nach links oder rechts weg. Wir versuchen es ein paarmal, aber es ist, als befände sich vor dem Loch eine unsichtbare Wand. Nichts zu machen – die Katze geht nicht durch.

In der Nacht fällt mir ein Trick ein. Ich werde die Klappe hochstellen, so daß der Durchgang offen ist, und dann allmählich den Schwierigkeitsgrad steigern, indem ich sie immer weiter zumache. Gleich getan, ist gut getan: Am Morgen schlage ich einen halben Meter oberhalb der Klappe einen Nagel in die Wand, binde eine Strippe daran, und an die Strippe einen Haken. Jetzt muß ich bloß noch die Klappe zu fassen kriegen, um sie sozusagen „aufzuhaken“.

Also. Die Katrin hat zu tun. Ich sitze allein da, draußen, im Flur, vor der Klappe; die Klappe hängt senkrecht im Rahmen, so daß ich sie nicht fassen und nach oben zum Haken bewegen kann. Ich tippe sie an, in die Maueröffnung hinein, in der Hoffnung, daß sie dann, auf dem Rückweg sozusagen, durch- und nach außen zu mir schwingt. Aber das macht sie nicht. Die Klappe ist nämlich fransenbesetzt, damit sie gut schließt, und die Fransen stoppen die Klappe. Die Klappe steht wieder senkrecht. Ich versuche es wieder und wieder, behutsam, mit viel Schwung, ganz energisch – nichts. Ich werde wütend.

In so einem Stadium sollte man eigentlich aufhören, aber ein wütender Mensch ist selten ein bedächtiger Mensch. Was jetzt kommt, ist ziemlich peinlich, aber ich schreibe es trotzdem hierher; zur Belehrung der Menschen.

Also: Ich drücke die Klappe etwas nach hinten, hake den Mittelfinger meiner rechten Hand am unteren Rand ein, bewege die Klappe weiter in das Mauerloch hinein und – reiße sie mit einem kräftigen Ruck in meine Richtung – und dann kommt erst einmal der Finger, haargenau das Nagelbett. Wie gesagt – die Klappen schließen dicht; der Fachmann sagt „paßgenau“. Ich habe noch nie so gebrüllt – vor Schmerzen, und vor Wut über meine eigene Dämlichkeit. Und niemand da, den ich dafür hätte anbrüllen können – das war das schlimmste ....

Und was soll ich sagen! Ich sitze da, mir ist kotzübel, ich schnappe nach Luft – da kommt das Katzenvieh angeschlendert, macht kurz Halt, schaut mir amüsiert – ich schwör’s – tief in die Augen – und marschiert durch die Klappe, als hätte es die Küche nie anders betreten. - Ich habe mich dann erst einmal ins Bett gelegt.

(November 2007. Erschienen in: Geliebte Katze. Nr. 2/ Februar 2010.)
Zur Katzenklappe II: „Wie mein Freund Kümmelchen seinen Katzen eine Klappe einbaute.“


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