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Dies und das 2

Sieben Mini-Miniaturen und kein Bonustrack

Von Bernd-Ingo Friedrich

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(Hier habe ich - der Quelltext beweist es - wirklich bloß "Kurzgeschichten" eingegeben!)

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Meine Freund Zorosch

Ich sitze wieder einmal mit meinem Freund Dr. Pendler bei Pfefferminztee und O-Saft und rede mit ihm über dies und das, da erwähnt er seinen Freund Imre Kertesch, den Nationalpreisträger, oder nein, Nobelpreisträger – ja, doch, Dr. Pendler kennt lauter solche Leute: Filmpreisträger, Funkpreisträger und so weiter, alle möglichen Sorten; auch Doktoren, Professoren – also den Nobelpreisträger (wieso eigentlich „-träger“?) und daß der immer sagt: „ohne meine Freund Zorosch in Ungarn keine Kultur.“ Ich denke: „Wer zum Kuckuck ist Zorosch?“, aber dann stellt sich heraus, daß er den Globalisierungshelfer Soros meint, den Spekulanten. (Merke: „Soros“ wird „Zorosch“ gesprochen. Dadurch erweist man sich als weltläufig.) Und nun frage ich mich, warum der Dr. Pendler mich alten Mann verscheißert, wo er doch weiß, daß ich lebe, wo Kreuznatter und Ringelotter sich die rudimentären Hände schütteln, wo man Soros nur aus der Zeitung kennt und „Soros“ sagt, weil es so dasteht. Eben hat er noch von „Paris“ gesprochen, ganz wie ein normaler Mensch. Dabei hätte er doch auch sagen müssen – schreibt sich schlecht – „Pari“, mit einem quasi nur halb vorhandenen P wie bei den Doppel-Pehs in Papperlapapp, einem sorgfältig zwischen Zungenwurzel und Gaumen zerquetschten R und einem schmachtend dahingehauchten I wie bei der "mon cheri" – meine Lieplinge! Aber nein, das macht er nicht, er sagt „Paris“, damit ich desto sicherer auf seinen „Zorosch“ hereinfalle. Ja, und da frag’ ich mich doch: Warum macht er das?


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Die Amis sind feige

Die Amis sind feige. Das pflegte mein Großvater Paul Friedrich zu sagen, und der mußte es wissen, denn er hatte gegen sie gekämpft. Das heißt: Er hatte versucht, gegen sie zu kämpfen, aber leider, wie er sagte, nie einen von ihnen zu fassen bekommen: „Wenn man einmal die Schnauze für einen Augenblick aus dem Dreck bekam, dann sah man vielleicht einen, über einem, ganz klein, im Bomber sitzen. Darin sind die ganz groß gewesen. Am liebsten Tiefflug, und dann drauf, auf die Flüchtlinge, Frauen und Kinder, und die Alten. Wenn man so ein Schwein mal erwischt hätte! Aber wenn’s drauf ankam, waren die weg. Und wenn tatsächlich mal einer an der Front zu sehen war, natürlich nur von Ferne, dann war’s bloß so’ne arme Sau von Neger, den sie vorgeschickt hatten. Mit dem hätte man ja am Ende sogar noch Mitleid gehabt!“


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In der Dialyse

„Also, Herrschaften, wer braucht was aus der Apotheke?“ Es meldet sich niemand. Es folgt die Einzelbefragung. „Frau Riese?“ „Nein.“ „Frau Krüger?“ „Nein.“ „Frau Felgenhauer?“ „Nein.“ „Herr Friedrich?“ – Ich stecke meine Nase tiefer ins Buch. Die Fragestellung war eindeutig; ich brauche nichts, also muß ich nicht antworten. In Ruhe lesen will ich. Aber es muß sein. Die Frage kommt jetzt eindringlicher: „Herr Friedrich! Apotheke?!“ Ich denke – merkt sie’s denn nicht? – nein, sie merkt nichts, und deshalb nun dicht an meinem Ohr der letzte, nicht mehr zu ignorierende Anruf: „Herr Friedrich!! Brauchen Sie was aus der Apotheke?!!! Ich knurre mein „Nein“ und hoffe, daß ich diesmal eklig genug war - aber beim nächsten Mal wird’s wohl wieder so sein.


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Vom Scheißen

„Die Menschen sind sogar zum Scheißen zu dämlich, glauben Sie’s mir“, hat mal ein Chirurg zu mir gesagt, „das glauben Sie nicht? Na, wie machen Sie’s denn? Sie setzen sich hin und drücken drauflos, stimmt’s? Genau – und das ist falsch. Einfach hinsetzen und kommen lassen. Wie beim Vogel. Was der vorne reinsteckt, kommt hinten wieder raus, egal wann und wo, ein durchlaufender Posten, sozusagen. Und der Mensch? Schnappt sich früh um 9 seine Zeitung, setzt sich hin und drückt, und wehe es kommt nichts. Als ob die Darmflora nach der Uhrzeit fragt. Die hat ihren eigenen Rhythmus, und auf’s Tages-Angebot einstellen muß sie sich ja auch noch. Also: Hinsetzen und immer schön kommen lassen, sonst gibt’s Hämorrhoiden und Marillen, daß die Heide wackelt.“


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Hausarbeiten

Meine Eltern waren Neulehrer, die in den 1950er und 60er Jahren ihre Lehrpläne selbst aufstellen, unterrichten und "nebenbei" zwei Staatsexamen ablegen mußten; sie korrigierten Hausarbeiten, machten Elternbesuche, engagierten sich gesellschaftlich und nahmen an den verschiedensten Versammlungen teil; sie erwarben die NAW-Nadeln in Bronze, Silber und Gold, wozu sie u.a. Kriegstrümmer beseitigten, Steine für den Rostocker Hafen oder Schrott sammelten, einen Kinderspielplatz anlegten u.v.a.m. In ihrem Haushalt fielen damals folgende, heute kaum noch bekannte Arbeiten an: Für den Winter Kienäpfel sammeln, Feuerholz aus dem Wald holen, sägen, hacken und stapeln; Kohlen in den Keller schaufeln und stapeln; Pilze, Blaubeeren und Preiselbeeren sammeln und einwecken bzw. trocknen; Kartoffeln, Gemüse und Obst einlagern und einwecken; im Winter Holz und Kohlen aus dem Keller holen, mehrere Öfen heizen und die Asche wegbringen. - Allgemein fielen an: einmal im Monat den Waschkessel anheizen und „große Wäsche“ waschen, gelegentlich kleine Wäsche mit der Hand (dem Waschbrett!) waschen, täglich Windeln waschen; rollen, bügeln, nähen, stopfen; Regenkleidung imprägnieren, Schuhe einfetten; kleinere Reparaturen aller Art erledigen. - Kochen ohne Fertigprodukte, z.B. Bohnen schnippeln, Linsen auslesen und einweichen, Gemüse putzen, Fleisch wolfen, Brühe ansetzen; Babynahrung selbst zubereiten; ohne Küchentechnik Schlagsahne schlagen, Kartoffelpuffer reiben; kochen und backen mit dem Kohleherd; jeden Tag frische Milch auf Zuteilung holen; für Weihnachten Stollen und Kekse backen; alle Wege mit dem Fahrrad zurücklegen usw. usf. - Wieso jammern die jungen Mütter heute permanent über Zeitnot und müssen gleich nach dem Babyjahr – möglichst mit Ehemann – zur Mutter-und-Kind-Kur?


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Schoko-Eisbecher

Die Saison ist zu Ende, wir bringen unsere Strandkörbe ins Trockene, Paul macht seinen Kiosk winterfest, da bringt ihm der KONSUM noch eine ganze Ladung Bockwürste. Es stellt sich heraus, daß irgend etwas mit der letzten Bestellung schief gelaufen ist. Paul schimpft wie ein Rohrspatz auf "die da oben", weil er nun im nächsten Jahr wahrscheinlich weniger kriegt, aber es nützt nichts – Kontingent ist Kontingent -, und nach einigem Hin und Her werden die Würste abgeschrieben. „Na schön, wenn die sich das leisten können – haben wir wenigstens was für den Winter, Mensch.“ – „Genau“, meint Hartmut, „wir nehmen die Dinger; irgendwie kriegen wir die schon alle, und den Rest können wir im Frühling auch noch wegschmeißen.“ Paul wirft seine Tiefkühltruhe wieder an und übergibt uns zusammen mit den Kiosk-Schlüsseln genau 400 Bockwürste. Sie reichen gerade so über den Winter, aber dann reicht es auch. Wir sind schon am Boden (der Tiefkühltruhe), da entdecke ich zwei Becher Schokoladen-Eis. Prima, denke ich, das ist was für die Jungs und nehme sie mit nach Hause. Damit sie nicht so steinhart auf den Tisch kommen, stelle ich sie eine Stunde vor dem Abendbrot auf den Kühlschrank und lasse das Eis etwas antauen. Binnen kurzem ist es flüssig, was mich etwas wundert, es sieht auch irgendwie komisch aus. Ich koste – es schmeckt nach nichts; ich koste noch einmal – es schmeckt nach Fisch. Ich gehe zum Fenster und sehe mir die Sache bei ordentlichem Licht genauer an, und was sehe ich? – Es sind Wasserflöhe, die Paul für sein Aquarium eingefroren und dann in der Truhe vergessen hatte!


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... das Ende einer wunderbaren Freundschaft ...

Als Dr. Pendler aufhörte, mein Freund zu sein, schickte er mir durch seine verbissenen Zahnreihen hindurch die unschöne Bemerkung nach: „Du kannst so was“ (ein Kochbuch) „ja locker machen, Du hast ja die Zeit dazu, du bist ja privilegiert, mit Deiner Rente“ (ich bin schwerbehindert; leber- und nierentransplantiert plus Diabetiker und brauche täglich ca. 20 Pillen plus Insulin), und Deine Olle genauso, mit ihrem festen Einkommen“ (damit meinte er ihre - damals - 338 Hartz-4-Euro). Darüber habe ich mich erst einmal sehr geärgert, aber dann dachte ich: Ja, klar doch, eigentlich hat er ja Recht. Warum ärgere ich mich eigentlich mit Verlegern, Herausgebern und Lektoren herum wie ein Erwerbstätiger? Seitdem ist einiger Wind durch meine Fensterritzen gepfiffen, ich habe weitere Widrigkeiten erduldet bei meinen Versuchen, die Menschen zu belehren und zu bessern, und nun habe ich es satt; bin müde. Ich mache meinen Platz für Jüngere frei, denn ihnen gehört ja sowieso die meiner Meinung nach beschissene Zukunft. Also können sie sich auch selber darum kümmern. Meine Schnurrpfeifereien stelle ich seitdem lieber in’s Internet. Das kostet keine Nerven, und kein Geld, und vielleicht nützt es ja doch ein, zwei Leuten. Oder es macht dem einen oder anderen ein wenig Spaß. Wär’ ja schon allerhand.


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