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Hochwasser und Haarschnitt

2 Katastrophen 2002

Von mir

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Die Schneise

Beim Kramen fiel mir neulich ein Foto in die Hände, auf dem ich tatsächlich einmal nicht aussehe wie ein Verbrecher - jedenfalls von vorne - und das ich unbesorgt überall vorzeigen kann. Dazu gehört natürlich wieder eine kleine Geschichte. Also. Hier die Geschichte:

Irgendwann einmal - lange her - waren wir, Katrin und ich, beim Einkaufen getrennte Wege gegangen. Bei mir war außerdem Haareschneiden fällig. Für den Fall, daß ich zur ausgemachten Zeit nicht am ausgemachten Treffpunkt sein würde, sollte Katrin mich beim Friseur abholen. Sie kam also in das Enthaarungsstudio und konnte noch eine Weile dabei zusehen, wie mir eine ungelernte Russin mit einem elektrischen Apparat meinen Igel schor. Das kostete - damals - glatte 8,50 DM. Draußen meinte Katrin: „Also, wenn ich so’n Ding hätte wie die da - das würd’ ich bestimmt genauso hinkriegen, und billiger.“ Bald danach kauften wir „so’n Ding da“ und sparten fortan bei jedem Haarschnitt 8,50, mindestens - weil: Der Preis ist ja nicht so geblieben. Und die D-Mark auch nicht.

Einmal - sie war damals quasi noch Lehrling, denn bei mir gibt's ja bloß alle viertel Jahre mal was zu tun – schabte meine neue Frisöse frisch drauflos, hatte aber vergessen, den „Abstandhalter“ auf das Messer zu setzen. Sie bemerkte das erst, als sie schon oben am Wirbel war. Vom Genick bis da hinauf hatte sie in meinen Pelz eine zwei Finger breite Schneise geschlagen, die so krumm war, daß beim besten Willen kein Muster daraus zu machen ging. Glatze wollte ich nicht, also ging ich mit der Schneise vom OP-Stuhl. Am anderen Tag fuhren wir nach Dresden.

Katrin schämte sich fürchterlich, aber ich fand’s eigentlich ganz lustig. Ich mußte mich ja nicht von hinten sehen. Auf der Suche nach einer Würstelbude querten wir die Brühlsche Terrasse, allerdings in verkehrter Richtung; man hatte uns den falschen Weg gewiesen. Dieser Gang verlief noch normal. Aber nachdem wir unseren Irrtum bemerkt hatten, kehrten wir um und konnten (oder mußten!) nun beobachten, wie sich die überall im Freien sitzenden Leute kichernd anstießen, sobald sie uns sahen, und wie dann die, die „es“ schon gesehen hatten, versuchten, die, die den Anblick beim ersten Mal verpaßt hatten, möglichst unauffällig auf uns bzw. mich aufmerksam zu machen. Das fand ich dann allerdings auch ein bißchen peinlich. Die Katrin wäre am liebsten gestorben.

Damit ist nun auch klar, warum ich vorhin meinte, daß ich auf dem Foto bloß von vorne nicht aussehe wie ein Verbrecher. (Aufgenommen übrigens am Tag vor dem Hochwasser; davon - von dem Wasser und den schiefen Dampfern - haben wir auch noch einen schönen Schnappschuß.) Von hinten (von mir) wollte die Katrin damals leider kein Bild machen.


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(Dezember 2007)

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