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Nachtblind und übermüdet

oder: Das Strafmandat

Von biF


durch kampf zum sieg


Es haben sich ein paar Dinge angesammelt, die eine Fahrt nach Görlitz lohnenswert machen. Merkzettel, Notizen für Maxroi, Kommissionsvertrag; Buttersemmel, Thermoskanne, Apfel; Lesebrille, Handy, Pillenschachtel, Zuckermesser, Insulin, Ausweis, Führerschein, Geld und Schlüssel; Scheren zum Schleifen, Fotoapparat für die Briefbeschwerer – fehlt noch was? Bestimmt, aber es entzieht sich bis zur Abfahrt meiner Kenntnis.
Beim ersten vergeblichen Blick auf ein verschwommenes Hinweisschild stellt sich heraus, was fehlt. Es ist die Fernbrille.
In Görlitz geht alles wunderbar glatt, ich habe alles erledigen können, und mein kleiner Handel hat mir sogar einen Hunderter eingebracht. Schnell noch nach Zgorzelec zum Real-Markt – Räucherfisch kaufen, tanken – dann auf die Autobahn und ab nach Hause. Es ist schon dunkel. Das Fehlen der Brille bewirkt, daß ich die Abfahrt Kodersdorf verpasse. Noch immer frohgelaunt, doch schon ein klein wenig wütend, verlasse ich die Autobahn erst hinter dem Königshainer Tunnel und fahre an ein paar Häusern vorbei, die sich Sekunden später als Bestandteile eines Dorfes entpuppen: Niederseifersdorf – ein Nest, das aus zwei Häusern besteht, dem etliche Quadratmeilen Acker folgen, dann wieder vier oder fünf Häuser, weitere sechs Meilen Acker und so fort, und das etwa eine Stunde lang. Das Ortsschild dieses landschaftsarchitektonischen Kleinods habe ich der Dunkelheit und der fehlenden Brille wegen natürlich nicht sehen können. Plötzlich – mitten in so einer Häuserlücke; ringsherum: Kein Baum, kein Strauch, kein Haus, kein Mensch und keine Kuh – überfällt mich ein grelles Blitzlicht. Ich registriere 79 km/h statt 50, und im Nu schrumpft der schöne Hunderter in meiner Hosentasche zu einem häßlichem Fünfziger zusammen – es ist wie eine Ohrfeige. Richtig (100 km/h) wütend lege ich den Rest des Heimwegs zurück.
Einige Wochen später verschlimmern die „Bearbeitungsgebühren“ das Ganze noch einmal um – ich guck vorsichtshalber noch einmal mit Brille nach – um sage und schreibe 22,86 Euro! Na, die müssen ja schuften, auf den Ämtern ...!

(12.12.2007)


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