Mijnheer Peter Sloterdijk van de gebende Hand
Von Bernd-Ingo Friedrich
Universitäten waren schon immer auch Brutstätten des Halbwissens
und des Aberglaubens – siehe Hexenhammer, Rassentheorie und BWL.

„Die Revolution der gebenden Hand“ war eigentlich schon entlarvend genug, aber die Erwiderung des Herrn Sloterdijk vom 27.9. (beide in der FAZ) auf den Artikel von Professor Axel Honneth vom 24.9.2009 in der ZEIT zeigt es nun deutlich: Der Mann ist weiter nichts als eine hohle Rübe.1 Um zu verstehen, wie der Herr Sloterdijk aus Worthülsen Nebelbomben bastelt, muß man überhaupt kein Buch von ihm zur Gänze gelesen haben; es reicht völlig aus, hier und da zu naschen, um prinzipiell genauso schlau zu sein wie seine jahrelang genasführte Fangemeinde – das heißt: Nach dem (hilfs-)schülerhaften Kurzschluß vom Juni braucht man nicht einmal mehr das. Im Gegenteil: Anstatt anderen zu empfehlen, 8.000 angesichts dieses Armutszeugnisses restlos überflüssige Seiten Sloterdijk zu lesen, sollte er selbst sich erst einmal hinsetzen und das schätzungsweise gleiche Quantum in Geschichte absolvieren, denn so viele brauchte er wohl mindestens, um zu begreifen, auf welche Abwege man durch zielloses Gehirn-Jogging geraten kann. Und wohlgemerkt: Geschichte – nicht Philosophie!
Des weiteren zu seiner Empfehlung an Professor Honneth: Man muß nicht die gesamte Mathematik (schon gar nicht mit schlechten Lehrbüchern) wiederholen, wenn man beweisen will, daß 2 mal 2 gleich 4 ist.2 Deshalb würde es schon genügen, wenn der Herr Sloterdijk beim Nachsitzen nur einige Punkte im Hinterkopf behielte:
1. Von Steuern befreite Reiche hat es 500 Jahre lang gegeben – mit den bekannten Folgen.
2. Solidarität mit den Armen hat schon die Aufklärung im 18. Jahrhundert erfolglos von den Reichen gefordert.
3. Bis jetzt ist noch jede Gesellschaftsordnung von den Herrschaften selbst zugrunde gerichtet worden.
4. Den Begriff „Sozialneid“ haben diejenigen erfunden, die am neidischsten nach ganz oben schielen.
Die folgende, ergänzende Sentenz stammt von dem namibischen Bischof Zephania Kameeta: „Du kannst nicht reich sein und in einem Meer der Armut schwimmen, das ist wie ein Bad in einem Becken voller Haie.“ Ungefähr dasselbe meinte der Schwabe Ludwig Wilhelm Wekhrlin, als er vor über 200 Jahren zu Papier brachte: „Die Steuer gehört unstreitig zur Natur der Gesellschaft. Sie ist eigentlich das Opfer eines Theils unseres Vermögens, um den andern Theil zu erhalten.“3 Zuletzt vielleicht noch ein ganz spezieller, auf „Rhetoriker in der Endlosschleife“ direkt zugeschnittener Hobelspan: Der Intellektuelle hat als Vordenker ausgedient. Er ist zum Mitdenker geworden, um auf hohem materiellen Niveau überleben zu können.
Letztere Erkenntnis aus dem Jahre 1999 verdanke ich übrigens der Lektüre meines ersten Sloterdijk-Werkes „Regeln für den Menschenpark“. Man hätte sein Bekenntnis zum asozialen Staat also gar nicht gebraucht, aber nun weiß man wenigstens, woran man ist. Guter Rat für den – wohl kaum zu erwartenden – Fall, daß der Herr Sloterdijk seinen Unfehlbarkeitsdünkel zähmen und einen Irrtum zugeben könnte: Als eine Person, die ihrem Wort in den Medien einiges Gewicht erschwatzt hat, sollte man sich nicht nur zweimal, sondern am besten zwei mal zwei gleich viermal überlegen, was man coram publico äußert. Aber das hieße wohl, ein wenig zu viel zu verlangen von einem derart selbstverliebten Schwätzer.
Des gleichen Geistes Kinder scheinen die Redakteure bzw. Zeitgeist-Claqueure der FAZ zu sein. Das lassen zumindest die Illustrationen der beiden genannten Artikel vermuten, denn da ja über dem Text des Professors Honneth (wider-)sinnigerweise ein (geschöntes) Porträt des Herrn Sloterdijk prangt, sollte man eigentlich erwarten dürfen, den Titel der Suada desselben vom 27.9. mit einem Porträt Professor Honneths geziert zu sehen, doch gefehlt: Es ist wieder eins des Herrn Sloterdijk; diesmal vor imposanten Bücherwänden. Weiter unten dann erst Herr Professor Honneth, allerdings mehr karikiert als fotografiert. So – dezent und auf Sloterdijksche Weise hinterhältig – wird Meinung gemacht ...
(28.09.2009)
1 Halbierte, ausgehöhlte Wasserrüben hängte man früher verkehrt herum ans Fensterkreuz und füllte etwas Wasser hinein, damit sie Blätter nach unten austrieben und für etwas lebendiges Grün im Winter sorgten.
2 Ich kann zwar kein Ei legen, aber ich kann erkennen, wenn eins faul ist.
3 Das Prinzip kennt im übrigen jeder (nicht nur BWL-) Student: Man gibt einen Teil seines Stipendiums in einen gemeinsamen Topf, um sich eine Wohnung mit Heizung, WC, fließendem Wasser und elektrischem Licht leisten zu können.
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