Arme Blondine
Von biF
Ach was – ich probier’s einfach. Ich beschleunige meine Schritte, bis ich auf gleicher Höhe mit dem Mädchen bin, und sage: „Hallo, Mädchen, wie geht’s?“ Es antwortet schnippisch: „Ging schon besser.“ Hm. Ich fahre fort: „Wie ich sehe, hast du alle Hände voll, das heißt, du kannst mir keine runterhauen“, und damit lege ich meinen rechten Arm von hinten um seine Taille, lasse meine Hand in seine Jeans gleiten und kralle mir den reizenden kleinen Hintern. Herrlich. Es dreht sich weg, sieht mich entgeistert an und – lacht. „O.K. Du kannst mir tragen helfen, wenn du willst.“ Ich frage zurück: „Und was soll ich tragen?“ – „Na, diese Beutel natürlich; mit meinem Hintern komm’ ich schon alleine klar!“ – Nun lasse ich mich also schon wieder von meiner Arbeit ablenken; die Blonde ist aber auch zum Tagträumen ...
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Ich hatte eigentlich nach einem Bild zur neuen „Armut in Europa“ gegoogelt. Das Foto des bildschönen Körpers einer Blondine in zerrissenen Jeans von hinten drängt sich mir förmlich auf. Das Mädchen darauf erscheint tatsächlich nackter als nackt, weil es Jeans trägt, die nicht nur dekorativ zerrissen, sondern knapper als knapp – der Teufel weiß, wie – an seinen Hüften hängen und den Betrachter geradezu herausfordern, sich mit dem Darunter zu beschäftigen; sein Oberkörper ist auch so gut wie nackt, denn die zwei weißen Strippen, die auf der anderen Seite in etwas sicherlich sehr Winziges übergehen, das seine Brüste in Form hält, können als Kleidungsstücke nicht eigentlich gelten. Dazu ist es behängt mit einem kleinen weißen Täschchen und Plastiktüten verschiedener Boutiquen, von denen jede einzelne es todsicher auf mehr Fläche bringt, als die Textilien der aufreizend Schönen zusammengenommen. Derart entkleidet läuft das Mädchen über einen bevölkerten, offenbar irgendwo im sonnigen Süden gelegenen Boulevard, und in seinen langen seidigen blonden Haaren spielt der Wind.
Aber was hat dieses Foto mit der Armut in Europa zu tun? Ich klicke das Foto an, bekomme einen Blog serviert, und da steht unter dem Bild: „Dieses Foto wurde in Madrid gemacht. Es zeigt uns, daß es Armut überall auf der Welt gibt. Es bricht einem das Herz, wenn man diese arme Frau mit Plastiktüten und in zerrissenen Kleidern sieht.“ – Na klar, ein Spaßvogel. Das Bild hat im Internet Furore gemacht, aber ganz sicher nicht wegen des Textes, sondern wegen der Blondine. Auch ich kopiere sie mir heraus und mache sie zu einem Desktopbild, an dem ich mich ein Weilchen erfreuen kann. – Manchmal ist es im Internet fast wie im richtigen Leben: Man sucht irgend etwas und findet etwas ganz anderes und oft sogar etwas viel schöneres, als man gesucht hat. Es müßte halt alles nur etwas plastischer, lebendiger sein ...
(12.10.2009)
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