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Sparst du in der Not, so hast du keine (A.H.)

Von biF


Auch Anne Will widmet sich einmal mehr den Arbeitslosen. „Ist der Sozialstaat noch zu retten?“ will sie wissen, doch zunächst versucht sie, den Westerwelle – den haben ja nun eh schon alle dran – ordentlich mit zu skandalisieren. Sogar den oppositionellen Diskutanten ist das sichtbar peinlich. Sie winden sich und tricksen, aber da kennen sie die Anne schlecht. Mit stählernem Gebiß domptiert sie die Widerspenstigen zurück auf ihre Podeste und zwingt ihnen – anyway, anyhow – Stellungnahmen ab. Arnulf Baring gelingt es als erstem auszubrechen und sich zur Sache zu äußern. Der Mann hat natürlich vollkommen recht mit seiner Frage, welches Geld ein Sozialstaat denn überhaupt verteilen wolle, der sieben Billionen (in Zahlen 7.000.000.000.000) Euro Schulden hat, doch obwohl er sie noch des öfteren wiederholt – eine Antwort darauf hat auch er nicht, oder er will sie nicht sagen.

Aber mir fällt etwas ein. Umverteilen kommt ja bekanntlich nicht in Frage, weil die Reichen (statistisch alle über 3.418 netto im Monat) in dieser Frage so außerordentlich sensibel sind, also hilft am Ende doch bloß eins, nämlich Sparen. Notorisch macht auch Kleinvieh Mist, viel kleines Vieh macht sehr viel Mist, und dazu fällt mir ein berühmtes Rockefeller-Gleichnis ein. (Die tollsten Sachen kommen immer aus Amerika! Und überhaupt – der Rockefeller ...) Also: Rockefeller – als er noch mit seinen Arbeitern frühstückte – fragte einen von ihnen, wie viele Tropfen Lötzinn er zum Verschließen eines Petroleumkanisters benötige und erhielt die Antwort, sagen wir mal, 20 Tropfen – so genau hab ich die Zahlen nicht mehr im Kopf. Der Arbeiter mußte die Dosen ab sofort mit 19 Tropfen schließen – und siehe da: keine 366 Tage später hatte der Rockefeller ungefähr, sagen wir mal, eine Million Dollar mehr in seinem Geldsäckel. Und weil er auch sonst sehr sparsam war, bei den Löhnen beispielsweise, wurden aus der einen Lötzinn-Million ruckzuck sieben Billionen und mehr. Und genau da liegt der bundesdeutsche Hase im Pfeffer: Es wird zu viel geschludert.


hartz IV rockefeller standard oil


Nehmen wir nur meine letzte Bestellung bei – na ja, tut nichts zur Sache, ich will keinen Ärger haben – ergibt sich folgendes Bild: Der Warenwert betrug 6,90 Deutsche Euro. Das ist kein Betrag, der die Wirtschaft rettet, aber immerhin; mehr braucht’ ich nicht. Ich orderte postalisch am Samstag. In der Woche darauf geschah folgendes: Am Montag erhielt ich eine Bestellbestätigung, am Mittwoch lag ein dicker ... Katalog im Briefkasten, am Donnerstag erhielt ich das Päckchen mit – also das Bestellte, am Freitag folgte die Rechnung, und in den nächsten Tagen konnte ich meine Heizung abstellen und den alten Kachelofen ausschließlich mit Werbung betreiben. Was soll so ein Betrieb denn noch mit Steuererleichterungen? Der weiß doch gar nicht, wohin damit! Mein Briefkasten ist jedenfalls voll.

Zweites Beispiel: Die ARGE. Deren Bescheide sind in der Regel neun bis zwölf Seiten stark. Nehmen wir mal zehn, das rechnet sich gut. Weil jedes Blatt immer nur einseitig bedruckt ist, entspricht das 10 Blättern Ökopapier, und weil auf dem letzten Blatt meistens nur noch genau eine Zeile steht, rechnen wir eins hinzu, macht elf. Elf Blatt mal 5 Millionen Arbeitlose (nur mal, zugunsten der ARGE und des Statistischen Bundesamtes, angenommen) das ganze dreimal die Woche, macht in einem Monat 660.000.000 Blatt, durch 1.000 = 660.000 Packungen, mal 2.99 (ALDI) = knapp zwei Millionen. Würde die zweiseitig drucken, käme man schon auf eine eingesparte Million = 1.200 runde Hartz-IV-Pakete, und wenn die dann vielleicht auch noch ein bißchen formulieren, oder meinetwegen auch bloß den Umgang mit ihrer Bürotechnik richtig erlernen würde, gäbe das inklusive Druckertinte noch einmal 800 – na, wenn das nichts ist! Und das ohne Umschläge und Porto; keine einzige Büroklammer dabei, nichts! Ja! Da könnte der Waigel jubeln! – Oder wie heißt der jetzt?

Jedenfalls – ich sag’s nicht gern – hat ausgerechnet die beknackte Will mich zum forcierten Sparen inspiriert, denn ohne die und ihren „Zirkel junger Kapitalisten“ – um’s mit einem Ostklassiker zu sagen – hätte ich darüber doch gar nicht so nachgedacht. Summa summarum: Meiner Fetten Henne werd’ ich weniger Dünger geben, die Katze kriegt keine Extras mehr, und so, denk’ ich, wird’s bei mir privat peu à peu aufwärts gehen. Die Henne nimmt ab, die Katze wird wieder anhänglicher, ja – so gesehen könnte ich mir doch eigentlich schon mal einen kleinen Vorschuß gönnen, zum Beispiel einen Eimer Rotwein auf Mallorca. Ich meine, so lange das Kerosin noch bezuschußt wird und die Piloten mitmachen ...

(01.03.2010.)


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